Literatur als schriftgebundenes Phänomen hat sich erst relativ spät - im Verlauf des 18. Jahrhunderts - als eigenständiges Subsystem der Kunst herausgebildet. Schon kurz danach gab es in der Romantik Bestrebungen, die Monomedialität der Schrift durch Einbeziehung des Klangs zu durchbrechen. Die Sehnsucht nach Multimedialität gipfelt zunächst im Konzept des Gesamtkunstwerks Richard Wagners, das jedoch auf der Komplementarität der Künste beruht, ohne deren spezifische Strukturen anzutasten. Erst mit dem Konzept der Intermedialität, von Dick Higgins in den 60er Jahren theoretisch entwickelt, hält die Idee der Verschmelzung von Medien in die Kunst Einzug, auch wenn historische Beispiele die erst spät erfolgte theoretische Begriffsbildung schon vorwegnahmen.
Intermedialität ist durch strukturelle Veränderung der Medien gekennzeichnet - ein Medium nimmt Charakteristika eines anderen Mediums an - wie es z.B. in der visuellen Poesie, deren Wurzeln bis in die Antike reichen, praktiziert wird. Doch die mediale Gebundenheit der Schrift an das Buch setzte diesen Experimenten bisher Grenzen - mit den neuen Medien scheint die Verschmelzung von Schrift, (bewegtem) Bild und Ton neue Dimensionen zu erlangen, deren Konsequenzen für die Literatur noch schwer abzusehen sind. Zumindest kann Literatur - z.B. durch räumliche und bewegte Gestaltung von Schrift sowie Integration von Klangelementen (in Installationen auch durch Taktilität) - andere mediale Qualitäten annehmen und damit synästhetische Qualität erlangen.