Die bekannten Kommunikations-, Erkenntnis- und Medientheorien sind monomedial und monosensuell: Sie gehen von den Augen als Leitsinn und von der menschlichen Sprache als Kode aus. Entsprechend machen sie Aussagen über lineare sequentielle Erkenntnisprozesse, nicht über parallele Informationsverarbeitung zugleich mit mehreren Sensoren und nicht über multimediale Kommunikation.

Wollen wir Visionen über synästhetische Erkenntnis und multimediale Kommunikationspraxen entwerfen, brauchen wir mehrdimensionale Konzepte, die es erlauben, gleichzeitig ablaufende artverschiedene Prozesse in ihrer Wechselwirkung zu beschreiben. Der Inhomogenität der Sinne und Medien soll Rechnung getragen werden. Statt binärer Schematisierung soll Triadisches Denken und die Fähigkeit zum Oszillieren zwischen verschiedenen Programmen und Bedeutungen gefördert werden.

Zur Matrix: Triade

Prinzipien des Neuen triadischen Denkens
Das neue triadische Denken zerlegt die Phänomene, die es verstehen will, in Faktoren, Relationen und Ebenen. Analyse und Synthese erfolgen dabei nach festen Regeln.
1. Komplexe Phänomene werden als das emergente Produkt des Zusammenwirkens dreier Faktoren verstanden. Dies können z.B. sein: Elemente, Prozesse, Parameter.
Triadisches Denken ist relationales und multifaktorielles Denken.
2. Das zu erklärende Phänomen wird immer von einem Betrachter aus einer anzugebenden Perspektive beschrieben, z. B. jener einer bestimmten Profession oder einer wissenschaftlichen Disziplin oder es dient der Lösung praktischer Probleme des Alltags. Zur Bestimmung der Faktoren sind weitere und andere Perspektiven einzunehmen. Perspektivenwechsel ist konstitutiv für das triadische Denken. Es ist ein multiperspektivisches Denken.
3. Das triadische Denken geht pragmatisch vor. Es berücksichtigt die jeweiligen anstehenden Zielen, bei anderen Zwecken werden andere Faktoren relevant und man kommt zu anderen Triaden.
4. In jeder konkreten Situation ist nach der Gewichtung der Faktoren zu fragen. Dabei werden
Prämierungen festgestellt bzw. bei der Modellbildung vorgenommen.
Triadisches Denken balanciert und prämiert.
5. Das zu erklärende Phänomen/zu verstehende Problem liegt auf einem anderen Emergenzniveau/gehört einem anderen logischen Typ an als die Faktoren der Trias. Ein reines triadisches Modell verknüpft also immer mindestens zwei logische Ebenen/Emergenzniveaus. Es müssen immer mindestens vier Größen identifiziert werden. Drei Faktoren gehören dem gleichen logischen Typ an, der vierte Faktor, das zu erklärende Phänomen, einem anderen. Die Faktoren der Faktorentrias erklären sich wechselseitig.
Triadisches Denken ist Mehrebenendenken.
6. Die Faktoren der ‘Triadentrias’ können durch Cluster von möglichen Merkmalen (Variablen) näher beschrieben werden. Diese sind nicht mehr triadisch geordnet. Diese empirischen Merkmale liegen auf einer dritten Emergenzebene, die immer dann betreten werden muß, wenn triadische Modelle entwickelt oder angewendet werden. Hier liegt die empirische Basis der Modellbildung und -anwendung.
Triadisches Denken verknüpft mindestens drei Ebenen.
7. Die Faktoren: Elemente, Prozesse, Parameter sind artverschieden, liegen aber auf einer Ebene. ‘Artverschieden’ meint in diesem Zusammenhang, daß die Faktoren sich nicht aufeinander reduzieren lassen und daß sie zueinander nicht im Verhältnis Element : Klasse stehen. Die Gegensätze zwischen den Faktoren einer Ebene sind unaufhebbar, andererseits erklären sich die Faktoren wechselseitig.
Triadisches Denken setzt logische Typen und damit auch klassisches logisches Denken voraus.
8. Als Spezialfall der Informationsverarbeitung läßt sich das triadische Denken als emergentes Produkt von linearen, parallelen und rückgekoppelten Prozessen verstehen. Die triadischen Faktoren existieren immer gleichzeitig, die konstitutiven Prozesse laufen simultan ab, stehen untereinander in Wechselbeziehungen bzw. in Koevolution. Triadisches Denken ist weiterhin zirkuläres Denken. Es ist gleichgültig, auf welcher Ebene und bei welchem Faktor in begonnen wird. Nur muß der Rückkopplungskreislauf vollständig durchlaufen werden.
Triadisches Denken ist linear-sukzessiv, parallel und rekursiv.
9. Indem es triadische Prinzipien auf sich selbst anwendet, ist das Neue triadische Denken selbstreferentiell.
Es geht von einem triadischen Modell des Denkens aus. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu
älteren Formen triadischen Denkens, die sich mit triadischen Modellen einzelner weniger Phänomene
begnügten.
10. Das Neue triadische Denken braucht auch nicht bei drei Ebenen zu stoppen. Größere Genauigkeit
erreicht es durch die Modellierung von Triadentrias'. Es erklärt die Faktoren der Basistriade, wenn es um das Verstehen hochkomplexer Phänomene geht, ebenfalls als das Produkt von Triaden. Es entstehen Begriffssysteme, die auf drei Emergenzebenen geordnet sind.
Triadentrias erweitern die Komplexitätserfassung des triadischen Denkens.
11. Unter Zeitdruck im Alltag können solche Triadentrias unsere Wahrnehmung, Gedanken und Handlungen nur selten und nach umfänglicher Übung leiten. Überhaupt sind Habitualisierung und Automatisierung wichtige Voraussetzungen erfolgreicher triadischer Operationen.
Triadisches Denken entfaltet sich als menschliche Fähigkeit. Die Anwendung der Modelle als bloße Werkzeuge (tools) sollte nur eine Durchgangsphase sein.