Interaktivität ist derzeit ein hochaktueller Begriff, der jedoch nicht einheitlich verwendet wird. Insbesondere im Kontext der Medienkunst seit den 60er Jahren gilt er als Programm für die Einbeziehung der Zuschauer in das künstlerische Geschehen. Genres wie Aktionen, Happenings und Performances beanspruchen "Interaktivität" für sich; ebenso aber Installationen - angefangen von der kinetischen Kunst bis zur Videoinstallation. Zwischen den einzelnen Bereichen   besteht jedoch ein fundamentaler Unterschied in der Qualität von Interaktionen: Ist das "Publikum" in Aktionen und Happenings struktureller Teil des Geschehens und kann dessen Ablauf beeinflussen, so verbleibt es bei Performances und kinetischer Kunst in der Rolle des Betrachters. Videoinstallationen dagegen binden den Betrachter in eine automatisierte Rückkopplungsbeziehung ein - seine Handlungen und Verhaltensweisen beeinflussen die Prozessabläufe.
Heute wird Interaktivität meist auf diese Beziehung zwischen Mensch und Maschine bezogen - dabei muss allerdings gleichzeitig eine Einschränkung des Handlungsspielraums mitgedacht werden. Denn Computer- und Videoinstallationen erlauben nur solche Aktivitäten, auf die die jeweilige Programmierung (als Prozessfestlegung) reagieren kann. "Interaktivität" ist somit ein relativ schwacher Ausdruck der Eingriffsmöglichkeiten in den künstlerischen Prozess. Für die Literatur hat die Adaptierung des Interaktivtätsprinzips jedoch fundamentale Konsequenzen: Will sie eine unmittelbare Rückkopplungsbeziehung zum Leser etablieren, muss sie aus dem interaktionsarmen Medium Buch in andere Medien wechseln.  Erst die Entdeckung des Internets als literarisches Medium scheint diese Ansprüche zu erfüllen.